‘Kakaopflanzen lieben es heiß und feucht’, sagt Reinhard Bader, Agraringenieur und Mitarbeiter bei YACAO, ein Unternehmen, das zusammen mit der Produzentenkooperative FUNDOPO in der Dominikanischen Republik Kleinbauern dabei hilft Bio-Kakao anzubauen und unter Fairhandelsbedingungen zu verkaufen.

Endlose Strände, das tiefe Blau der Karibik und Golfplätze haben Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes gemacht, aber für die Menschen im Landesinneren, vor allem für Kleinbauern, spielt der Kakaoanbau eine zentrale Rolle. Die Kooperative FUNDOPO hat inzwischen mehr als 2.000 Mitglieder, die meisten besitzen nicht mehr als zwei Hektar Land und ein simples Holzhaus. Mit ausgedehnten Waldgebieten, durchzogen von Bächen und Flüssen ist die hügelige Landschaft malerisch schön. Dort zu leben hat jedoch seine Schattenseiten: die Finkas der Kleinbauern liegen vereinzelt, das nächste Dorf mit einem ‚Colmado’, einem Laden in dem man Dinge wie Reis, Salz, oder Seife kaufen kann, ist zu Fuß meist in ungefähr 20 Minuten zu erreichen, aber die schlechte Infrastruktur macht den Transport vor allem von (landwirtschaftlichen) Produkten zu einem mühsamen Unterfangen.
Heftiger, tropischer Regen schafft das Klima, das Kakao zum Wachsen braucht; die Dominikanische Republik liegt jedoch auch in einer Zone der Karibik, die – zunehmend öfter – von Wirbelstürmen mit sintflutartigen Regenfällen heimgesucht wird. Die Straßen in den Kakaoanbaugebieten sind meist schmal und ungeteert. Nach heftigen Regenfällen kommt es zu Überschwemmungen, Straßen und Brücken werden von den Wassermassen ausgewaschen oder weggerissen.

Die großen, gelben Kakaofrüchte können zwischen Dezember und Juli geerntet werden. Die meisten Finkas sind so abgelegen daß die Bauern den frischen Kakao auf Eseln oder Maultieren zu einer der 90 FUNDOPO Sammelstellen transportieren müssen. Strom- und Wasserleitungen gibt es nur entlang der Straßen, ob es in einem Haus Elektrizität (und damit Licht) und fließendes Wasser gibt hängt somit von der Distanz zur nächsten Straße ab. Viele Kakaobauern müssen ohne Strom auskommen und das Wasser von öffentlichen Zapfstellen oder aus Bächen holen.

Für junge Leute ist es schwer einen Job in der Region zu finden, viele ziehen deshalb auf der Suche nach Arbeit in die Städte oder wandern in die USA aus. Dabei können zwei bis drei Hektar Land ausreichen, um einen vierköpfige Familien zu ernähren wenn man es richtig bewirtschaftet, sagt Reinhard Bader. Die Mitglieder der Kooperative FUNDOPO haben daher beschlossen, 75% der Fairtrade Prämie, die sie über den Verkauf ihres Kakaos bekommen, für Training und die Optimierung des Kakaoanbaus zu verwenden, der Rest wird an die Mitglieder direkt ausgezahlt.

YACAO versorgt inzwischen die FUNDOPO Bauern mit Setzlingen besonders ertragreicher Kakaobäume mit der sie Pflanzlücken schließen oder alte Bäume verjüngen können. Auf einer 1,5 Hektar großen Fläche stehen 1.000 ‚Mutterbäume’ die Reiser liefern. Diese können die Bauern entweder auf eine frische Unterlage aufpfropfen oder sie veredeln einen der neuen Triebe, die alte Bäume unten am Stamm treiben. Nach zwei bis drei Jahren beginnen die jungen Bäume Früchte zu tragen und der alte Stamm – Kakaobäume bleiben 40 bis 50 Jahre produktiv – kann abgeschlagen werden. Früher hätten die Bauern die reifen Kakaofrüchte einfach nur geerntet und sich ansonsten nicht weiter um die Bäume gekümmert, sagt Reinhard Bader. Auf diese Weise konnten sie von zwei Hektar Land etwa $2.000 pro Jahr erwirtschaften. Mit der Umstellung auf die besseren Sorten und eine gute Pflege der Bäume könnten sich die Erträge binnen weniger Jahre verdoppeln. Aber YACAO und FUNDOPO gehen noch einen Schritt weiter. Mit der Fairtrade Prämie wird auch ein kleines Feldforschungsprojekt finanziert das klären soll, wie die Kakaoplantagen als Agroforstsysteme bewirtschaftet werden können: Kakaobäume gedeihen am besten im Halbschatten. Orangenbäume, Avocados und Bananenstauden, in der richtigen Dichte gepflanzt (ca. 50 Bäume auf einen Hektar), können genau die richtige Menge an Schatten spenden, und die Früchte bieten ein zusätzliches Einkommen. Ein sechsköpfiges Team von Landwirtschaftsberatern arbeitet mit einzelnen Farmern, organisiert Workshops und Besuche auf Finkas, deren Besitzer mit dem Agroforstsystem bereits Erfolg haben.

YACAO garantiert den Kauf der Kakaoernte der Kooperative FUNDOPO zu Fairtrade Konditionen (die Fairtradeprämie beträgt $200 pro Tonne Kakao). Ihre Avocado, Orangen und Bananen können die Bauern bislang allerdings nur auf lokalen Märkten verkaufen. In einem Pilotprojekt versucht FUNDOPO die biozertifizierten Avocados in den größeren Städten zu vermarkten. Supermärkte erwarten jedoch große Mengen, gleichbleibender Qualität und kontinuierliche Verfügbarkeit – Bedingungen, die die Bauern (noch) nicht erfüllen können. Aber einige Bioläden führen die FUNDOPO Avocados bereits. Und das Potential ist groß: derzeit importiert die Dominikanische Republik Biofrüchte aus den USA die eigentlich lokal angebaut werden könnten.

Mit der Fairtradeprämie haben die FUNDOPO Kakaobauern Maßnahmen ergriffen um ihre Einkommenssituation zu verbessern. Wer von seinem Land $4.000 erwirtschaften kann statt wie früher $2.000 der kann vielleicht auch bald $400 in ein Maultier investieren (diese sind beliebter und daher teuer als Pferde: Maulesel können größere Lasten tragen und sind angeblich deutlich intelligenter). Die Anschaffung eines Motorrades eröffnet sogar die Perspektive auf ein weiteres Zusatzeinkommen: Wenn im Agroforst nichts zu tun ist, lohnt es sich, an einer der Haltestellen für Überlandbusse auf Kunden zu warten, die die letzten Kilometer nach Hause gefahren werden wollen.

Ein Teil der Fairtradeprämie wird auch für nicht-landwirtschaftliche Produkte eingesetzt: ganz oben auf der Wunschliste stehen für viele Kakaobauern ein individueller Stromanschluß und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.