Stellen Sie sich eine raue Berglandschaft vor, in der Ferne die schneebedeckten Gipfel einiger der höchsten Berge der Welt, Gletscher, die bis in die Täler reichen, Seen gefüllt mit blau-grünem eiskalten Wasser und dann, wenn es endlich in den Hochtälern Frühling wird, ein Meer von Blüten in allen Farben von weiß über ein zartes rosé bis hin zu kräftigem pink – das ist das Hunza Tal im Norden Pakistans. Im Sommer verwandeln sich die bestäubten Blüten in Fruchtansätze für Aprikosen, Äpfel, Kirschen, Mandeln und Walnüsse.

Es sind diese Aprikosen und Mandeln, aus denen das Aprikosenkern- und Mandelöl gewonnen wird, das wir für die Fair Squared Produkte verwenden. Das Hunza Tal ist seit Jahrhunderten für die Qualität seiner Früchte und Nüsse bekannt. Die Fair Trade Mountain Fruit company begann im Jahr 2000 ein Fair Trade Programm im Hunza Tal aufzubauen. In den vergangenen Jahren wurden mit der Fairtrade Prämie Schulbücher gekauft, Schüler bekamen Stipendien, es wurden Spielplätze eingerichtet, Generatoren für die Stromerzeugung installiert und Bewässerungsprojekte angelegt. Aber die Fairtrade Gelder halfen nicht nur, die Lebensbedingungen zu verbessern: „Durch den Fairen Handel ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen und auch Führungspositionen übernehmen“, sagt Richard Friend, der das Fairtrade Projekt im Hunza Tal von Anfang an mit betreut hat. Ein enormer Fortschritt für Frauen in einer muslimischen Gesellschaft. Die meisten Bewohner des Hunza Tales sind Ismaeliten, eine muslimische Gruppierung, die weltweit bekannt ist für die Unterstützung von Wissenschaft und Kunst und die Förderung der Schul- und Weiterbildung von Jungen und Mädchen. Dennoch, die Tatsache, dass die die 200 Personen starke Belegschaft der beiden Verarbeitungszentren für Früchte und Nüsse im Hunza Tal fast ausschließlich aus Frauen besteht und sogar beide Anlagen von Frauen geleitet werden ist ein Erfolg, der viele Männer in der Region zum Umdenken und Ablegen einiger Vorurteile zwang.

An der Ernte sind Frauen und Männer beteiligt. Die Aprikosen werden vor Ort in den Dörfern getrocknet. Nach ein paar Tagen können die Kerne entfernt werden. Sie werden gesammelt und zur Nussverarbeitungsanlage in Damas geschickt, wo die Kerne geknackt und der nussartige Keim entfernt wird. Etwa 30% der Aprikosenkeime brechen dabei auseinander, die kleineren Stücke sind ideal um daraus Öl zu pressen – das Aprikosenkernöl, das wir verwenden. (Für Mandelöl ist das Verfahren ähnlich.)

Wie die Fairtrade Mittel verwendet werden, entscheidet das Produzentenkomitee, in dem die rund 6.000 Bauern aus den verschiedenen Bezirken des Tals vertreten sind. Darunter sind mehrere Frauen – und mit dabei sind natürlich auch die beiden Frauen, die die Verarbeitungsbetriebe leiten. Es dauert ungefähr acht Monate bis die gesamte Ernte verarbeitet ist; in den übrigen vier Monaten werden die Hallen und Büros genutzt, um Nähkurse abzuhalten oder in Workshops andere Fähigkeiten zu unterrichten, die den Frauen helfen, ein zusätzliches Einkommen zu verdienen.

Der Faire Handel hat dazu beigetragen, das Leben im Hunza Tal zu verbessern. Aber in diesem Tal zu überleben bleibt hart, nicht nur wegen der extremen Temperaturen (auf monatelangen Dauerfrost folgt extreme Hitze im Sommer), oder weil die meisten Dörfer so entlegen und abgeschieden sind: Der National Highway 35, besser bekannt als der Karakorum Highway, wurde in den 70iger Jahren gebaut und verband das Hunza Tal mit Peshawar und Islamabad im Süden, und mit China im Norden.

‚Durch den Fairen Handel ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen und auch Führungspositionen übernehmen’, so Richard Friend

2010 wurde ein Abschnitt des N35 unter den Geröllmassen eines riesigen Erdrutsches begraben, es entstand ein Damm, der den Hunza Fluß aufstaute. Dahinter bildete sich ein riesiger See und tausende Menschen mussten ihre überfluteten Dörfer verlassen. Es besteht noch immer die Gefahr, daß das Wasser des Sees die Erd- und Geröllmassen durchbricht und das gesamte Tal überflutet. Und dann sind da die Gefahren der politischen Situation in Pakistan.

Photo credit: Tropical Wholefoods