Wie Biolandwirtschaft und Fairer Handel…
…zum Überleben von Teearbeitern in Darjeeling beiträgt

Darjeeling, in den Vorbergen des Himalaya gelegen, ist eines der bekanntesten Teeanbaugebiete der Welt. Darjeeling Tee, vor allem der First Flush, der nur über wenige Wochen im Frühjahr geerntet werden kann, wenn die Teebüsche nach dem Winter wieder auszutreiben beginnen, ist unter Teekennern begehrt und erzielt hohe Preise. Es ist deshalb schwer vorstellbar, daß Teearbeiter im nordost-indischen Bundesstaat West Bengalen – dazu gehört die Region Darjeeling – oft nicht nur sehr arm sind, sondern manchmal dem Hungertod nahe.

Die Menschen auf der Teeplantage Chongtong sind diesem Schicksal 2007 nur knapp entkommen. Das war das Jahr, in dem die Ambootia Gruppe den Garten übernahm. Noch ein Jahr zuvor kämpften die Menschen in Chongtong ums Überleben: Die ehemaligen Besitzer, denen Chongtong zu wenig Profit abwarf, schlossen die Plantage für 12 Monate. Mit Hilfe von Polizeieinsätzen verhinderten sie, daß die Arbeiter (um etwas Geld zu verdienen) Tee für den lokalen Markt pflückten. Nicht einmal Gemüse für den Eigenbedarf durften die Plantagenarbeiter außerhalb ihrer winzigen Hausgärten anpflanzen. Inmitten üppiger Vegetation drohte den Menschen in Chongtong der Hungertod. Die 56-jährige Bimla Gurang wird diese Zeit nie vergessen. ‚Mehr als zwei Mahlzeiten am Tag gab es nie, und oft reichte es kaum für eine’, erzählt sie. Bimla Gurang lebt noch immer zusammen mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in einem der Dörfer der Plantage. Während der Teegarten geschlossen war schlug sie Steine für den Straßenbau, die einzige Arbeit, die Bimla im Rahmen eines Regierungsprogrammes bekommen konnte. Ihre Tochter verdiente ein wenig Geld mit einen kleinen Laden den sie noch immer betreibt. Die gesamte Familie mußte von Rs 400 im Monat leben – umgerechnet sind das 5,60 Euro. Heute leitet Bimla Gurang eine kleine Gruppe von Teepflückerinnen (sie ist eine von nur drei Frauen in dieser Position in Chongtong). Mit ihrem Gehalt, dem Einkommen aus dem Laden der Tochter und dem Land, das die Familie jetzt wieder für den Anbau von Gemüse nutzen darf, läßt es sich leben.

Seit die Ambootia Gruppe die Plantage übernommen hat wird in Chongtong nicht nur wieder hervorragender Tee produziert und unter Fairtrade Bedingungen verkauft. Der Teeanbau erfolgt zudem nach den Prinzipen der bio-dynamischen Landwirtschaft und das, erklärt Plantagenmanager Subrata Bhadra stolz, heißt mehr Arbeit und 20% mehr Arbeitsplätze. In der Teefabrik in Chongtong werden die am Tag geernteten Blätter über Nacht weiterverarbeitet – zu traditionellem Darjeeling (schwarzer Tee), weißem und grünem Tee. Dieser Tee schmeckt nicht nur hervorragend, sondern ist auch ein wertvoller Rohstoff, den wir für die Herstellung einige unserer Produkte verwenden.

Kleine Zeichen sprechen davon, was es für die Menschen in Chongtong bedeutet wieder arbeiten zu können und wie tief sich das Elend der Zeit der Plantagenschließung eingeprägt hat. Ein hölzernes Tor markiert den Beginn einer steilen Treppe, die zu einem kleinen Singha Devi Tempel führt. Hierher kommt, wer keine Arbeit hat. Seit Chongtong zur Ambootia Gruppe gehört, kommen Pflücker, Teearbeiter und Plantagenmanagement gemeinsam hier her, um Singha Devi etwas vom First Flush des ersten Tages der neuen Teesaison zu bringen.